Träume: Deshalb sind sie so wichtig für den Körper

Träume: Deshalb sind sie so wichtig für den Körper

Manche unter uns kennen vielleicht noch den Ausspruch: „Träume sind Schäume – und wer ins Bett macht, liegt im Leime.“ Dieser Ausspruch sollte einst Kindern nach einem bösen Traum ein Lächeln ins Gesicht zaubern oder auch den frisch Erwachten nach allzu verrückten Träumen mit irrwitzigen Geschehnissen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Träume können sehr aufwühlend sein, verwirrend, beglückend oder beängstigend. Aber woher nimmt unser Gehirn im Schlaf diese vielen Geschichten und Bilder? Warum vermischt es echte Erlebnisse mit fantastischen Elementen? Welche Funktion hat das Träumen eigentlich? Im Folgenden möchte ich dir einige Antworten auf diese Fragen liefern.

Warum träumen wir?

Unser Körper ist im Schlaf sehr aktiv. Besonders das Gehirn ist sehr beschäftigt. Denn es muss nicht nur an allen Ecken und Enden zu den Regenerationsprozessen beitragen. Es muss auch die Erlebnisse des Tages einordnen und, bildlich gesprochen, alles in die richtigen Schubladen stecken und nebenher auch noch ordentlich ausmisten. Dabei werden die sinnlichen Eindrücke sortiert und wichtige neue Verknüpfungen geschaffen. Was nicht mehr benötigt wird, kommt weg. Schließlich muss Platz geschaffen werden für die neuen Eindrücke, die in der nächsten Wachphase auf unser Gehirn einprasseln. Für unser Gehirn ist der Schlaf deshalb sehr wichtig. Denn während wir wach sind, nehmen wir ununterbrochen neue Eindrücke auf. Das passiert sowohl bewusst wie auch unbewusst. Während der Wachphasen ist also keine Zeit, um für Ordnung im Gehirn zu sorgen. Das kann nur dann effektiv geschehen, wenn wir nicht mehr den Bildern, Geräuschen und Gerüchen ausgesetzt sind, die wir im Wachzustand erfahren.

Babys schlafen öfter als Erwachsene

Am Beispiel eines Babys lässt sich die Notwendigkeit des Schlafens diesbezüglich gut verdeutlichen: Babys und kleine Kinder müssen nicht nur nachts, sondern mehrmals am Tag schlafen. Das liegt daran, dass die neuen Eindrücke aus der jüngsten Wachphase verarbeitet werden müssen. Die Notwendigkeit, dies im Schlaf zu tun, ist so groß, dass kleine Kinder oft sogar beim lautesten Krach oder in ungewöhnlichsten Situationen einfach so einschlafen können. Weil der Körper sagt: Das muss jetzt sein!
Als Erwachsene haben wir schon viele Eindrücke erlebt und sortiert. Wir müssen deshalb in den meisten Situationen nur noch die entsprechenden Informationen abrufen, um optimal reagieren zu können. Für uns ist nicht mehr so vieles neu wie für ein Baby. Deshalb brauchen wir in Bezug auf das Verarbeiten von Informationen auch weniger Schlaf als kleine Kinder, deren Erfahrungsschatz noch begrenzt ist.

Was genau passiert im Gehirn während des Träumens?

Das, was wir als Traum erleben, spielt sich zwischen Stammhirn und Großhirn ab. Im Elektroenzephalogramm (EEG) können Wissenschaftler ablesen, dass während der Traumphase vom Hirnstamm aus Signale an das Großhirn gesendet werden. Diese Signale bleiben nicht ohne Folgen. Sie aktivieren nämlich unter anderem auch das Hirnareal, welches für das Sehen zuständig ist. Dies vermuten Experten als Erklärung dafür, dass im Traum oft eindrückliche Bilder entstehen, obwohl unsere Augen geschlossen sind. Manchmal sind diese Bilder so real, dass wir schweißgebadet aus einem Albtraum aufwachen – etwa, wenn wir im Traum einem Monster gegenüberstehen oder uns in einem außergewöhnlichen Gebäude oder einer besonderen Landschaft mit bedrohlichen Elementen bewegen. Auch Personen aus unserer Vergangenheit oder Gesichter, die wir noch nie zuvor gesehen haben, können im Traum unglaublich realistisch erscheinen.

Träume sind nach Expertenmeinung sehr wichtig

Einig sind sich die Forscher inzwischen darüber, dass Träume wichtig für die Gesundheit sind. Es konnte inzwischen in mehreren Versuchen in der Traumforschung nachgewiesen werden: Nach rund 2 Wochen, in denen die Studienteilnehmer durch vorzeitiges Wecken vom Träumen abgehalten wurden, kam es zu messbaren psychischen Auffälligkeiten. Durch das vorzeitige Wecken wurden die Probanden daran gehindert, in die Traumphase überzugehen. Bekannt ist diese Phase als REM-Phase. „REM“ ist die Abkürzung für „rapid eye movement“, was übersetzt „schnelle Augenbewegungen“ bedeutet.
Die Wissenschaftler der Traumforschung berichteten über die Testpersonen unter anderem von zunehmender innerer Angespanntheit, von Reizbarkeit und Ängsten. Dieser offensichtliche Stress wiederum beeinträchtigt den gesamten Regenerationsprozess, den der Körper im Schlaf eigentlich vollziehen soll. Durch Stress geraten die Hormone aus dem Gleichgewicht und auf Dauer können dadurch messbare körperliche Probleme entstehen.

Die Schlafphasen und die eigentliche Traumphase

Wer einschläft, der durchläuft mehrere Schlafphasen. Während dieser Phasen finden jeweils spezielle Vorgänge im Körper statt. Auch das Gehirn hat während der unterschiedlichen Schlafphasen deshalb verschiedene Aufgaben zu erledigen. Dadurch ist auch das Träumen vor dem Hintergrund der Schlafphasen zu betrachten. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die Schlafphasen sich in der Regel mehrmals pro Nacht in einer bestimmten Reihenfolge wiederholen. Ein gesunder Mensch durchläuft etwa alle 90 Minuten den kompletten Zyklus der Schlafphasen. Etwa die Hälfte der Zeit befindet sich der Mensch im Tiefschlaf, die andere Hälfte entfällt auf die REM-Phase – abzüglich der Zeit, die er zum Einschlafen benötigt.
Du siehst: Um gesund zu schlafen, braucht es Zeit. Wenn du zu wenig schläfst, nimmst du deinem Körper die Möglichkeit, sich zu regenerieren und zu Träumen. Das kann auf Dauer zum Problem werden. Deshalb solltest du Wert darauflegen, in der Nacht genug Zeit für mehrere Durchläufe aller Schlafphasen zu haben.

Die Einschlafphase

Im ersten Schlafstadium befinden wir uns in der Einschlafphase. Während wir in den Schlaf hinübergleiten, vermischen sich während einiger Minuten gefühlt oft Traum und Wirklichkeit. Der Organismus beruhigt sich und der Körper entspannt. Du atmest immer langsamer und tiefer ein und aus, dein Herzschlag verlangsamt sich ebenfalls. Die Einschlafphase dauert bis zu 30 Minuten. Wann genau wir einschlafen, können wir im Nachhinein nicht feststellen. Denn das Gehirn setzt irgendwann während der Einschlafphase Substanzen frei, die das Bewusstsein abschalten, als hätte jemand einen Schalter umgelegt.
Einige Menschen berichten davon, dass sie während der Einschlafphase regelmäßig etwas ganz bestimmtes träumen: zu stolpern, eine Treppenstufe nicht zu erreichen oder irgendwo herunterzufallen. Möglicherweise liegt dies an dem noch sehr leichten Schlaf während der Einschlafphase, während der der Körper viele Funktionen herunterfährt, aber trotzdem durch kleinste Geräusche wieder geweckt werden kann. In dieser Leichtschlafphase ist das Bewusstsein dann zwar bereits abgeschaltet und die Muskeln sind entspannt, aber Störungen von außen werden noch immer wahrgenommen. Abschließend wissenschaftlich geklärt ist dieses Gefühl des Fallens oder Stolperns während der Einschlafphase bisher nicht.

Tiefschlafphase

Nach dem Einschlafen und einem kurzen Übergang durch die Leichtschlafphase geht der Körper direkt in die Tiefschlafphase über. Sie ist speziell für die körperliche Regeneration wichtig. Viele Stoffwechselprozesse, Reparaturen im Körper und der Abtransport von Schadstoffen – all das passiert in der Tiefschlafphase. Das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren. Dies ist die Zeit, während die Schlafenden nicht sofort aufwachen, sobald ein Geräusch oder eine Berührung sie stören könnte. Das Gehirn ist jetzt mit anderen Dingen beschäftigt. Die Eindrücke, die von außen an den Schlafenden herangetragen werden, werden nicht mehr sofort wahrgenommen. Sollte jemand dennoch in der Tiefschlafphase geweckt werden, ist er in der Regel nicht sofort klar bei Bewusstsein. Er muss sich dann erst orientieren und zu sich kommen. In der Tiefschlafphase sind übrigens auch die Schlafwandler unter uns unterwegs, denn die Muskeln sind in dieser Zeit ebenfalls aktiv.

REM-Phase

Wir erinnern uns: „REM“ steht für „rapid eye movement“, also „schnelle Augenbewegungen“. Dies ist der Zeitpunkt, zu dem bei einer Messung der Gehirnaktivität plötzlich viel passiert. Während in der Tiefschlafphase im EEG kaum etwas zu sehen ist, schlägt die Kurve in der REM-Phase plötzlich aus. Jetzt wird auch die bisher sehr gleichmäßige Atmung plötzlich wieder schneller, Blutdruck und Puls sind erhöht. Manche Forscher gehen davon aus, dass in der ersten REM-Phase eher pragmatische Themen und auch dazugehörige Emotionen des vergangenen Tages verarbeitet werden. In der zweiten REM-Phase soll nach Meinung mancher Wissenschaftler dadurch mehr Raum zur Entfaltung der Fantasie im Traum zur Verfügung stehen – weshalb die sehr fantasievollen und irrealen Träume häufiger kurz vor dem morgendlichen Aufwachen stattfänden.

Warum vergessen wir häufig unsere Träume?

Manchmal erinnern wir uns daran, dass wir geträumt haben. Aber es fällt uns einfach nicht mehr ein, was genau der Trauminhalt war. Der Grund dafür liegt nach Meinung von japanischen Hirnforschern in der Löschung der Träume durch bestimmte Zellen im Gehirn begründet: die sogenannten MCH-Zellen im Hypothalamus.

Ins Langzeitgedächtnis schaffen es nur Informationen, die als wichtig erachtet werden. Weil das Gehirn nachts mit diesen „Löschzellen“ aus dem Hypothalamus eine Art aktiven Großputz vornimmt, werden dann unwichtige Informationen und Erinnerungen gelöscht – und das können auch die jüngsten Träume sein. Du kannst es dir in etwa so vorstellen, wie wenn du den Cache in deinem Computer leerst. Wenn du das nicht ab und zu tust, läuft das System voll. Alles wird langsamer und funktioniert nicht mehr einwandfrei. Das heißt: Auch, wenn du der Meinung bist, überhaupt nicht geträumt zu haben, stimmt das nicht. Wir träumen jede Nacht. Nur schafft es nicht jeder Traum als Erinnerung in unser Bewusstsein im Wachzustand. Das wäre auch fatal. Denn wenn unser Gehirn auch noch mit surrealen Trauminhalten aus der Nacht vollgestopft wäre – wo sollten dann noch die wirklich relevanten und teilweise lebensnotwendigen Inhalte abgelegt werden?

Können wir Träume kontrollieren?

Einen Traum bewusst steuern – geht das? Ja und nein. Diese Kontrolle des eigenen Traums im Schlaf ist unter dem Begriff „Luzides Träumen “ bekannt. Der Traum, der dann nach den eigenen Regieanweisungen entsteht, wird als Klartraum bezeichnet. Mehrere Schlafforscher berichten von Klarträumen, sowohl von eigenen als auch von Klarträumen von Testpersonen. Einige Wissenschaftler sind der Ansicht, dass Klarträumen erlernbar ist. Der Schlüssel dazu liegt in der schlichten Erkenntnis während des Schlafens: „Ich träume gerade.“

Dieses Bewusstsein während des Schlafens zu erlangen, ist nicht immer möglich. Jede Nacht einen Klartraum zu provozieren, gelingt deshalb auch nicht jedes Mal. Denn die Aktivität einer bestimmten Hirnregion ist für das luzide Träumen von großer Bedeutung: das Stirnhirn. Es wird auch frontaler Cortex genannt. Diese Hirnregion ist dafür zuständig, Dinge kritisch zu hinterfragen. Wenn also der Cortex im Schlaf sehr aktiv ist, dann gelingt luzides Träumen besonders gut. Da wir aber nicht bewusst die Aktivität des Cortex erhöhen können, sind wir für Klarträume immer noch auf den richtigen Zeitpunkt und ein bisschen Zufall angewiesen.

Albträumen bewusst ein positives Ende geben?

Luzides Träumen wird auch in der Behandlung von wiederkehrenden Albträumen eingesetzt. Denn durch den Klartraum kann theoretisch die Handlung des Traumes zum Guten gewendet werden. Dafür bedienen sich Therapeuten allerdings meist einer „Krücke“, indem sie den Albtraum im Wachzustand umformulieren. Wenn du von einem Albtraum immer wieder geplagt wirst, kannst du ihn aufschreiben und ihm ein positives Ende hinzufügen. Wenn du dieses positive Ende verinnerlicht hast, kann es sein, dass dein Gehirn sich während des nächsten Albtraums daran erinnert und du aktiv auf dieses positive Ende umswitchen kannst.

Was verraten unsere Träume über uns?

Traumdeutung ist so alt wie die Menschheit. Was bedeutet in der Traumdeutung zum Beispiel ein Traum vom Fliegen? Bringt es Glück, wenn du von einem Marienkäfer träumst? Träumst du immer wieder von einstürzenden Häusern, weil du ein seelisches Problem hast? Die tiefenpsychologische Bedeutung von bestimmten Träumen, wie beispielsweise Sigmund Freud sie beschrieben hat, ist umstritten. Freud und andere Psychotherapeuten sehen einen direkten Zusammenhang zwischen unserem Unterbewusstsein und den Träumen, die wir erinnern. Wie konkret diese Zusammenhänge sind und welche Rückschlüsse in der Traumdeutung ganz bestimmte Bilder und Traumszenen zulassen, dazu konnte bisher keine einheitliche Meinung erarbeitet werden. Das liegt daran, dass die Erlebnisse und die Persönlichkeitsstruktur jedes Menschen zu individuell sind. Deshalb ist es fast unmöglich, aufgrund bestimmter Traumbilder mit einer Art Schablone Rückschlüsse auf Details des Seelenlebens zu ziehen.

Paralleles Bewusstsein mit wichtiger Funktion

Eines steht fest: Jeder Mensch hat Träume. Und diese Träume sind überlebenswichtig. Träume sind Erlebnisse in einem anderen Bewusstseinszustand. Sie entstehen durch neuronale „Aufräumarbeiten“ im Schlaf. Experten auf dem Gebiet der Traumforschung sind sich einig: Ohne Träume wäre unser Gehirn zugemüllt mit unnützen Informationen und würde im Durcheinander von Emotionen und Eindrücken versinken. Um klar denken zu können, konzentriert zu bleiben und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können, müssen wir träumen. Deshalb ist ausreichend Schlaf von großer Bedeutung – nicht nur für die geistige, sondern auch für die körperliche Gesundheit. Denn wer nicht träumen kann, der ist zunehmend Stress ausgesetzt. Durch Stress entsteht ein hormonelles Ungleichgewicht. In der Folge leidet der gesamte Stoffwechsel und auch das Immunsystem. Der Körper nimmt langfristig Schaden. Damit du ausreichend Zeit zum Träumen hast, solltest du deshalb unbedingt auf ausreichend Schlaf achten. Wenn du grundsätzlich Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen hast, kannst du dies auch durch einfache Maßnahmen positiv beeinflussen. Allein schon das Wissen um bestimmte Zusammenhänge zwischen deinem Schlaf und deinen Lebensgewohnheiten kann hilfreich sein. So kannst du aktiv etwas für mehr Wohlbefinden und langfristig etwas für deine Gesundheit tun. Hier findest du Tipps für bessere Schlafhygiene.

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Was hat es mit den Schlaftypen auf sich? Gibt es noch weitere?

Das klassische System hinter den Schlaftypen basiert lediglich auf zwei Chronotypen: Den Lerchen und den Eulen. Doch hat der amerikanische Schlafwissenschaftler Michael Breus dieses System ausgebaut und um 4 weitere Typen ergänzt: der Löwe, der Wolf, der Delfin und der Bär. Diese Schlaftypen möchte ich dir hier näher vorstellen. Vielleicht erkennst du es direkt, welchem Schlaftypen du angehörst und kannst so erste Anpassungen in deinem Leben durchführen!

Lerche

Ein Mensch, der dem Lerchen Chronotyp angehört, ist ein sogenannter Frühaufsteher. Diese Personen haben ihre produktivste Zeit am Morgen und Vormittag. Sie haben weniger Probleme früher aufzustehen, das Bett zu verlassen und genießen es sogar! Problematisch wird es allerdings, wenn die Lerche zum Beispiel für Silvester bis in die Nacht aufbleiben soll. Das lange Wachbleiben fällt der Lerche schwerer als dem Eulen Chronotyp und zugleich merkt es dieser Typ auch am folgenden Tag durch Schlappheit und Konzentrationsprobleme.

Eule

Das komplette Gegenteil zur Lerche ist der Spättyp Eule. Der Eulen Chronotyp schläft gerne länger, dafür bleibt er aber bis in die Nacht auf und hat seine produktivsten Stunden am Abend. Vor allem in Mitteleuropa gibt es mehr Eulen als Lerchen. Es gibt keine konkrete wissenschaftliche Studie für den Grund dafür, doch wird vermutet, dass unter anderem blaues Licht dafür verantwortlich sein kann. Denn blaues Licht hält uns länger wach und hat somit auch Auswirkungen auf unser Schlafverhalten.

Zwischen diesen beiden Extremen gibt es auch noch den Normaltypen, welcher tatsächlich sehr häufig zu finden ist. Dies liegt vor allem an der Tatsache, dass unser Chronotyp kein fixer Punkt ist, der sich niemals verändert. Tatsächlich verändert sich unser Typ im Laufe des Lebens mehrmals, sodass ein Normaltyp keine Ausnahme ist.

Weitere Schlaftypen nach Michael Breus

Das Prinzip der Lerchen und Eulen ist sehr grob gehalten, sodass es sich der amerikanische Schlafwissenschaftler Michael Breus zur Aufgabe gemacht hat, weitere Typen zu definieren. Dies soll Menschen dabei helfen, ihren Tagesablauf entsprechend ihrem Schlaftyp anzupassen und so ihre Produktion und Leistungsfähigkeit zu steigern.

Löwe

Der Löwe ist vor allem morgen in der Frühe sehr aktiv und produktiv. Generell steht der Löwe früh auf, plant seinen Tag, ist ehrgeizig und zielstrebig und ihm fällt es leicht abends einzuschlafen.

Delfin

Der Delfin Chronotyp hat Probleme die Nacht durchzuschlafen und wacht häufig auf. Dies liegt vor allem an der ängstlichen Art, welche diesem Typen nachgesagt wird. Produktiv wird dieser Typ gegen 19 Uhr und erst kurz vor 12 gehen diese Typen ins Bett.

Wolf

Der Wolf schläft gerne länger und mag es nicht vor 11 Uhr aufwachen zu müssen. Seine aktive und produktive Zeit ist oftmals nach 19 Uhr und diese zieht sich durch die Nacht. Der Wolf Typ gehört eher zu den kreativen, aber auch impulsiven Menschen.

Bär

Der Bär Typ schläft im Gegensatz zu anderen Typen sehr viel und lange. Dennoch hat er immer das Gefühl als würde er nicht lang genug schlafen und fühlt sich dementsprechend nicht ausgelastet. Produktiv wird dieser Chronotyp erst gegen Mittag. Bären wird nachgesagt sehr loyal und extrovertiert zu sein, doch zugleich suchen sie keine Konflikte.

Wie wichtig ist es seinen Schlaftyp zu kennen?

Es kann von Vorteil sein, den eigenen Schlaftypen zu kennen, da du so deinen Tag nach diesem System planen kannst und konkret weißt, wann du produktiv bist. Es hilft dir, dich besser zu verstehen und dich nicht mit anderen Menschen zu vergleichen. Oftmals versuchen wir uns in eine Schublade zu stecken, in die wir eben nicht gehören. Wenn du versuchst ein Frühaufsteher zu werden, doch du warst dein ganzes Leben lang eher ein Morgenmuffel, dann stehen die Sterne nicht gut, dass dieser Plan erfolgreich wird. Hinzu kommt, dass sich dies negativ auf deine Gesundheit auswirken kann.

Kann ich den eigenen Chronotypen von meinen Eltern erben, dank passender Gene?

Übrigens werden Chronotypen nicht vererbt, vielmehr verändern sich der Rhythmus im Laufe des Lebens und hat daher weniger etwas mit Genen und einer Vererbung zu tun. Wie viele Stunden Schlaf du nun brauchst, ob du zu den Spättypen, Frühaufstehern oder Normaltypen gehörst, liegt demnach ganz individuell an dir!

Was für Folgen hat es gegen die innere Uhr zu leben?

Gegen die innere Uhr zu leben, hat viele Gründe. Nur selten liegt es an unserer freien Entscheidung, vielmehr müssen wir durch unseren Beruf, unsere Kinder oder anderen wichtigen Verpflichtung gegen unsere innere Uhr ankämpfen. Doch auf Dauer kann es zum Problem werden. Ja, Schlaftypen können sich im Laufe des Lebens verändern. Kinder sind insbesondere zu Beginn oftmals Lerchen, wechseln dann in der Jugend und Pubertät zum Eulen Typ und werden schließlich, wenn sie älter sind wieder Lerchen. Das ist ein ganz normaler Rhythmus, doch oftmals macht uns Schule, Studium und auch der Beruf einen Strich durch die Rechnung.

Der Wissenschaftler Till Roenneberg hat sich mit diesem Thema stark auseinandergesetzt und ist der Meinung, dass stetig die eigene innere Uhr bekämpfen zu wollen, zu einem chronischen Gefühl von Jetlag führt. Typisch ist es zum Beispiel, dass Jugendliche in der Pubertät mit dem Chronotypen der Eule Probleme haben, früh in die Schule zu gehen und somit auch nicht ihre besten Leistungen zeigen können. Doch daneben gibt es noch weitere gesundheitliche Folgen, wenn gegen die innere Uhr gelebt wird. Neben Schlafstörungen und einem angegriffenen Immunsystem vermindert sich vor allem die Leistung, die Konzentration und die Reaktionsgeschwindigkeit. Sicherlich hattest du selbst schon mal einen Jetlag und weist wie sich dieser anfühlt – nun stelle dir vor, dass es dir so jeden Tag geht.

Wie du siehst, geht es nicht nur um Morgenmuffel und Nachteulen, sondern vielmehr um die Lebensqualität. Aus diesem Grund ist es wichtig, seinen eigenen Schlaftypen zu kennen und dementsprechend zu leben.

Welcher Schlaftyp bist du?

Vielleicht hast du bei den Definitionen direkt erkennen können, welcher Chronotyp du bist. Wenn dem so ist, kannst diesen Punkt überspringen. Wenn du dir allerdings noch nicht ganz sicher bist, zu welchem Chronotypen du dich zählen kannst, so können dir folgende Fragen oder ein Test eventuell helfen. Den eigenen Schlaftypen zu kennen ist ein wichtiger Aspekt, der dir dabei helfen kann, deinen Tagesablauf optimal zu planen und möglicherweise sogar den Grund für deine stetige Müdigkeit zu finden.

Doch wie findest du deinen Schlaftypen heraus? Eine Möglichkeit ist, dir die folgenden Fragen ehrlich zu beantworten:

  • Fällt es dir leicht früh morgens aufzuwachen?
  • Stehst du auch früh auf, wenn du einen Tag freihast?
  • Stellst du deinen Wecker mehrmals auf Snooze?
  • Bist du morgens produktiver als abends?
  • Bist du mittags produktiver als morgens?
  • Schreibst du dir eine To-Do Liste?
  • Wann (Tageszeit) hast du deine wichtigsten Meetings?
  • Fällt es dir leicht nachts einzuschlafen?
  • Wie viele Stunden schläfst du in der Nacht?
  • Gehst du spätestens um 22 Uhr ins Bett?
  • Du arbeitest gerne am Abend und in der Nacht?
  • Du hast Probleme die Nacht durchzuschlafen?

Wenn du dir diese Fragen ehrlich beantwortest und dir dann die Definitionen noch mal durchliest, kannst du einen guten Eindruck gewinnen, zu welchem Schlaftypen du gehörst.

Falls dir das noch nicht weitergeholfen hat, dann empfehle ich dir einen online Selbsttest zu machen. Einen guten Test kannst du beispielsweise hier finden.

Fazit: Definiere deinen Schlaftypen und verbessere deine Lebensqualität!

Irgendwie fühlst du dich immer müde? Du quälst dich aus dem Bett und fühlst dich nie wirklich frisch und wach? Du schläfst genug Stunden pro Nacht, aber es ist dennoch nicht genug? Deine Konzentration und Aufmerksamkeit wird von Jahr zu Jahr schlechter und du weißt nicht, was du dagegen machen sollst? Dann kann es sein, dass du gegen deine innere Uhr lebst. Nicht nur verschlechtert dies deine Lebensqualität, sondern zugleich begünstigt es viele gesundheitliche Probleme. Eine Möglichkeit um festzustellen, ob du gegen deine innere Uhr lebst, ist deinen Schlaftyp zu definieren und deinen Alltag nach den Typen anzupassen. Oftmals erkennst du schnell positive Veränderungen, welche sich dann auf dein ganzes Leben positiv ausweiten. Statt gegen deine innere Uhr anzukämpfen, kannst du deinen Lerchen, Eulen, Löwen, Delfin oder auch Wolf Typen zelebrieren und das Beste aus diesem machen. Es gibt nicht einen Typen der besser als der andere ist, vielmehr hat jeder Typ seine eigenen Vorteile und Nachteile. Aus diesem Grund sollten wir nicht versuchen diesen Typen ändern zu wollen. Als Eulen Typ plötzlich jeden Tag um 5 Uhr aufzustehen, kann nämlich nicht nur deinen Rhythmus auseinander bringen, sondern vor allem zu einem starken Schlafmangel führen.

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